In Antwort auf: MikeBike
...
Ich selbst würde mich aber hüten eine nagelneue Hydraulik Bremse ohne Not abzuschrauben und an ihr herumzudoktern. Es wäre dann auch folgerichtig das komplette Neurad zu demontieren und wieder zusammenzusetzen. Ich weiß nicht ob das sogar die Gewährleistung gefährden könnte, kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass das Rad davon besser würde....
Das ist der wesentliche Unterschied:
Bei allen Neurädern (vier, also so viele waren es nicht, aber eben auch sehr teure dabei), war die ersten Maßnahme vor dem wirklichen Fahren: Komplett zerlegen. Was wurde gemacht? Mal so als unvollständige, aber anschauliche Liste:
Schutzblechbefestigung komplett verändert, Verlegung von Kabeln und Bowdenzügen optimiert, die Lager auf Einstellung und Fett kontrolliert, ggfs. Schrauben mit Schlitz-, Kreuzschlitz- oder Sechskantkopf gegen Torx oder Inbus getauscht, generell ungelabelte No-Name-Schrauben gegen markierte der passenden Festigkeitsklasse getauscht, nicht rostfeste Teile gegen Korrosion geschützt, Gepäckträgerschrauben mit Schraubensicherung, Kontermutter und ggfs. verbesserten U-Scheiben versehen, bei Kette einen Chainglider eingebaut und angepasst, Speichenspannung gecheckt, Reifen runter und Felgenband gecheckt sowie Schlauch talkumiert und die Reifenwulste und Felgen penibel gesäubert (Reifenwandern sicher verhindern), Kurbeln und Tretlagerschalen raus und neu gefettet einsetzen (beim Pinion entsprechen Kurbeln, Lockring und die Rahmenschrauben), Sattelrohr und Gabelkopf gegen eindringendes Regenwasser geschützt, eventuell Spacer und Gabelschaftlänge angepasst, ...... Dabei werden automatisch alle Schrauben kontrolliert, gefettet/Schraubensicherung und korrekt angezogen.
Das sind alles Standardarbeiten, die in keinster Weise die Gewährleistung verändern, aber die Gewährleistung ist mir auch egal, weil wenn ich etwas selbst beschädige, dann zahle ich auch das Lehrgeld und ein - seltener - echter Schaden (z.B. undichte Getriebe) war noch nie abgelehnt worden. Im Gegenteil, die Q-Leute des Teileherstellers oder des Radherstellers freuen sich über klare und eindeutige Fehlerbeschreibungen und die für alle einfache Korrektur mit Teiletausch und nicht das ganze Rad durch die Republik zu senden. Irgendwelche kosmetische Schäden (Lack, ....) werden gleich selbst behoben und sind keine Mail oder Telefonat wert. Also nie würde ich auf die Idee kommen, irgendeinen Lackabplatzer zu monieren. Das wird gleich mit beseitigt und hat sich dann.
Desweiteren schreibt man dabei gleich eine Liste mit dem Werkzeug auf, was benutzt wurde, weil davon die abgemagerte Reiseversion erstellt wird. Z.B. gibt es Leute, die Kettennieter aus Tradition mitführen - macht beim Zahnriemen nur begrenzt Sinn. Oder einen Satz Kreuzschlitz-Bits ohne einzige solche Schraube am Rad zu haben. Oder Konusnabenschlüssel für Naben ohne Konuslager.
Also zusammenfassend: Ich würde nie mit einem Rad auf Reisen gehen (auch Europareisen), das ich nicht eigenhändig komplett zerlegt und wie oben beschrieben behandelt habe.