Radreisen für Familien zu teuer?
..
Kann es sein, dass Radreisen nur etwas für Reiche ist, oder stimmt meine Kalkulation nicht?
Hallo Thomas,
Ich glaube, da gerät einiges durcheinander. Erste Hinweise haben Vorredner schon gemacht Camping/Hotel nicht vergleichbar.
Ob Übernachtungen teuer/zu teuer oder preiswert sind, hat auch nichts mit der Art der Fortbewegung zu tun. Wenn du mit dem Auto/Zug/Flugzeug in den Urlaub fährst, hast du das gleiche Problem. Startet und endet die Radreise im Wohnort, entfallen ja immer noch sämtliche Fahrtkosten - das ist doch schon mal günstig? - Pauschalreisen sind nur dann günstig, wenn kinderfreundliche Angebote bestehen (müssen nicht bezahlen etc.). Ich benutze Wörter wie Gasthof, Pension und Hotel übrigens gleichwertig, die Bezeichnung sagt meist nichts über die Preise aus.
Ob Übernachtungen in Hotels teuer/zu teuer sind, hat auch nur mittelbar, aber nicht unmittelbar etwas mit Familie zu tun. Auch für Singles sind Gasthofübernachtungen bei geringem Einkommen zuweilen unerschwinglich. Familien hingegen findest du auch bis hinauf in hochpreisige Hotels. Mittelbar steigen natürlich die Kosten in der Familie, weil Nichteinkommensbezieher gleichzeitig auch Einkommen verbrauchen. Steuervergünstigungen und Kindergeld können das i.d.R. nicht ausgleichen. Entscheidend ist jedoch immer noch die Gehaltsklasse der Eltern oder des Singles, was geht und was nicht.
Wie alt sind die Kinder? - Viele Hotels verlangen ja für Kinder bis 6 Jahre, ggf. auch für größere Kinder (bis 12 Jahre?), gar nichts oder weniger. Nicht alle Länder und Hotels sind gleich. DZ-Preise sind pro Nase fast immer günstiger als EZ-Preise. Je nach Land und Hotelart kann es sein, dass du nur einen Zimmerpreis bezahlst, ggf. mit ein oder zwei Zustellbetten im DZ. Solche Zimmer sind dann für Singles richtig teuer, nicht aber für Familien. Wenn die Radreise geplant ist (das sollte man, zufällige Hotelübernachtungen aus der Notlage raus können sehr teuer werden), kannst du vorher auch mal die potentiellen Unterkünfte kontaktieren. Ich bin sicher, dass es an bekannten Radwegen auch familienfreundliche Angebote gibt. Mit Privatpensionen kann man vielleicht verhandeln. Die immer so preiswert geltende Alternative JH ist gar nicht so preiswert, weil hier immer pro Nase bezahlt werden muss. Bei zwei Kindern sind da manche Hotels günstiger. JH sind m.E. was für Jugendgruppen oder Singles (nicht mal das ist sicher) - manchmal geht es ja aber auch mehr um die Kontakte mit anderen Kindern als um die Ausstattung und den Preis.
Bei Campingplätzen checken, ob die Personen alle einzeln zahlen müssen oder nur ein Stellplatz. In der Schweiz habe ich mal gut 25 Euro für einen Campinplatz bezahlt - alleine. Zu viert hätte man dasselbe bezahlt - dann ist es doch nicht so teuer. Man muss immer genau hinschauen.
Problematischer halte ich übrigens das Essen und Trinken auf Reisen für Familien, wenn man sich der Selbstversorgung verweigert. Da ist schnell viel mehr Geld weg als man denkt und lässt sich auch schwieriger eingrenzen als über kompakte Zimmerpreise. Jeder bekommt seinen eigenen Teller. Das summiert sich. Getränke sind auch nicht billig. Da noch ein Eis, hier noch ein Lutscher usw. Gleiches gilt für Freizeitangebote wie Tickets für Zoo, Erlebniswelten, Schwimmbäder u.a. - wenn man die elegant meiden kann, ist auch schon viel gewonnen.
Fazit: Wenn ihr euch einen Urlaub leisten könnt, dann auf alle Fälle auch einen Radurlaub. Camping ist für Kinder pädagogisch übrigens nicht das Schlechteste - lernen mit anzupacken, Einkäufe organisieren und Arbeitsteilung, Selbstverantwortung für die Ordnung im Zelt usw. - das funktioniert unter "Abenteuer"-Bedingungen zuweilen besser als im häuslichen Trott. Im Hotel wird ihnen ja alles abgenommen. Den Eltern natürlich auch. Ein kleines Dilemma.