Die dürfen ja...die haben ja damals gewonnen und somit keinen Schuldkomplex...
Schul
dkomplex, da ist durchaus (immer) noch was dran, ja. Genauso aber auch Opferkomplexe und anderes mehr...
Dennoch, die Macht der Worte! Sie sollte niemals unterschätzt werden und gerade bei an sich in "Worten" geschulten Personen, wie in diesem Fall, sollte man eigentlich schon etwas mehr Professionalität und v.a. Selbstbeherrschung erwarten.
Das mit der "Selbstbeherrschung" möchte ich erklären.
Ich bin selber mit diesem Spruch vom "inneren Reichsparteitag" aufgewachsen, genauso wie mit anderen Sprüchen. Ihnen gemeinsam war, sie wurden nicht erklärt, sie waren einfach da. Irgendwie waren sie wohl schon immer da und auch wenn man als Kind nicht erklärt bekam, was damit genau gemeint war (oder gewesen sein könnte), so lernte man doch in welchen Situationen sie benutzt wurden. Pavlov... wie Hunde, die ja nicht Deutsch lernen, wohl aber die Bedeutung von Tonlagen, Mimik, Betonungen usw. in gewissen Situationen.
So weit, so gut? Mitnichten, denke ich heute. Denn Sprache mag zwar einmal nur eine Gewohnheit sein, jedoch hat besitzt sie eben auch eine Aussage und damit auch eine Wirkung. Und was für die Einen nur ein Spruch ist, den sie nie wirklich verstehen gelernt haben, ist es für Andere eben etwas anderes und zwar mitunter auch verletzendes!
Ich habe mich erst jetzt, heute, mal genauer mit der möglichen Bedeutung des Spruchs beschäftigt. Ich denke es soll wohl eigentlich aussagen, dass es einem eine Genugtuung war/man es nun jemanden sozusagen gezeigt hat.
Nur ... wenn man das aussagen will, dann geht das auch anders. In einer eben nicht für manche Menschen verletzend wirkenden Weise (z.B. wegen Opferkomplex, oder auch schlicht wegen entsprechend gemachter Erfahrungen in dem Zusammenhang, die viele Menschen bis heute tagtäglich verfolgen).
Einer der anderen Sprüche, mit denen ich als Kind immer wieder konfrontiert wurde, aus unterschiedlichsten Richtungen, war der ".. bis zur Vergasung". Auch wenn es einem mit mit nur sehr wenig Nachdenken möglich sein sollte, den Ursprung zu ergründen, habe ich die Bedeutung erst mit über 30 Lebensjahren erfahren, aus dem Buch "Efraim" von
Alfred Andersch. Ich war schockiert, als mir durch die selbstreflektorische Erzählweise der Schmerz bewußt wurde, den dieser Spruch bei Menschen auslösen kann. Und seitdem habe ich ihn nie wieder benutzt, den Spruch.
Den Spruch vom "inneren Reichsparteitag" habe ich übrigens selber (meiner Erinnerung nach) niemals selber benutzt.
Und um Abschluß der heutigen "Predigt" zu kommen (gell Micha, was?

), ich denke so wie man gutes Essen, guten Wein und andere Genußmittel oder genießbare Dinge, bewußt und gerne wahrnimmt, sollte man auch mit Sprache in einer sie (<- die Sprache und deren Bedeutung[en]) bewußter und dabei angemessen verantwortungsbewußten Art und Weise (Verantwortung ist dabei noch so ein "Minenfeld" in vielerlei Hinsicht) umgehen. Denn keine andere "Sache" verbindet uns Menschen untereinander in unmittelbarer wirkender Weise, wie eben Sprache!
PS: Und klar, was in anderen Ländern (=Kulturkreisen!) in Sachen Sprache abgeht, gerade auch wenn es um Deutsche/Deutschland/.. geht, finde ich entsprechend genauso kritikwürdig, wie ich hier jetzt den "inneren Reichsparteitag" kritikwürdig finde.
Aber das ist insgesamt noch ein seeeeehr weites Feld.

PPS: Nicht alles was man darf, sollte man deswegen auch unbedingt tun.
